GREENWASHING LERNEN UM GREENWASHING ZU BEKÄMPFEN
Die Bachelorarbeit „How To Greenwash“ widmet sich dem Thema Greenwashing im Design, mit besonderem Fokus auf den Konsumgüterbereich. In einer kritischen Auseinandersetzung zeigt sie auf, welche Verantwortung Designer*innen in einem Markt tragen, in dem Nachhaltigkeit zunehmend gefordert, aber oft nur vorgetäuscht wird.
Zentrales Anliegen der Arbeit ist es, Designer*innen ein praxisnahes Verständnis für die Mechanismen manipulativer Nachhaltigkeitskommunikation zu vermitteln. Statt in moralisch belehrender Weise zu argumentieren, setzt das Projekt auf ein ironisches Stilmittel: Designer*innen werden bewusst in die Rolle eines/einer Greenwashing-Gestalter*in versetzt. Durch diesen Perspektivwechsel werden gängige Strategien, Begriffe, Materialien und Siegel vorgestellt – nicht um sie zu empfehlen, sondern um sie kritisch erfahrbar zu machen.
Kern des Projekts sind zwei zentrale Werkzeuge:
1. Ein gestaltetes Manual, das als „Anti-Lehrbuch“ fungiert und zahlreiche Greenwashing-Strategien sowie visuelle Täuschungen aufzeigt.
2. Eine begleitende Musterbox, die das Gelernte haptisch erfahrbar macht. Sie enthält reale Materialbeispiele, Verpackungsdesigns und Kommunikationsmittel, die häufig zur Täuschung eingesetzt werden.
Durch diese didaktische Kombination wird das Thema nicht nur theoretisch behandelt, sondern gestalterisch erfahrbar gemacht. Der ironische Zugang dient dabei als bewusst gewählter Bruch mit klassischen Lehrformaten, um kritisches Denken anzuregen und Designer*innen in ihrer Verantwortung zu stärken.
Die Arbeit positioniert sich damit als praktischer Werkzeugkasten für angehende und professionelle Designer*innen – und als Beitrag zu einem reflektierteren Umgang mit Nachhaltigkeit im Design.
Greenwashing-Leitfaden
Der rund 90-seitige Greenwashing-Leitfaden zeigt gängige sowie spekulative Greenwashing-Strategien auf, die auf realen Beispielen und aktueller Forschung basieren. Neben bekannten Täuschungspraktiken werden auch neue, zugespitzte Interpretationen präsentiert, die einen Ausblick darauf geben, wie Greenwashing in Zukunft aussehen könnte.
Das Besondere: Der Leitfaden arbeitet mit einem durchgehend ironischen Tonfall. Die Leser*innen werden gezielt in die Rolle von Greenwashing-Gestalter*innen versetzt und lernen so die Mechanismen manipulativer Nachhaltigkeitskommunikation von innen heraus kennen. Diese Herangehensweise erleichtert den Zugang zu einem komplexen Thema, macht Zusammenhänge verständlicher und regt zum Nachdenken an.
Durch provokante Texte, überzeichnete Beispiele und visuelle Inszenierungen wird deutlich, wie subtil und kreativ Greenwashing sein kann – und wie wichtig es ist, diese Strategien frühzeitig zu erkennen. Der Leitfaden ist somit kein klassisches Lehrbuch, sondern ein kritisches Werkzeug, das Designer*innen befähigt, verantwortungsvoll und wachsam zu gestalten.
Greenwashing-Musterbox
Die Greenwashing-Musterbox ergänzt den Leitfaden um eine praktische, haptische Erfahrungsebene und macht die darin beschriebenen Inhalte direkt greifbar. Sie vereint Theorie, Materialität und ermöglicht es Designer*innen, Greenwashing nicht nur zu verstehen, sondern auch visuell und materiell zu durchschauen.
Die Box ist zweistufig aufgebaut:
Auf der oberen Ebene befinden sich der Greenwashing-Leitfaden sowie eine kompakte Projekterläuterung. Darunter, auf der zweiten Ebene, liegt das eigentliche Kernstück: über 160 Material- und Veredelungsmuster, Bildmaterialien und Verpackungsbeispiele, die den Anschein von Nachhaltigkeit erwecken, jedoch keine ökologischen Vorteile bieten, sondern eher das Gegenteil. Diese bewusst inszenierten Täuschungen werden durch ergänzende Informationen kontextualisiert und kritisch eingeordnet.
Zusätzlich enthält die zweite Ebene rund 60 Karten mit typischen Greenwashing-Begriffen, fast 50 Typografie-Beispiele, die durch ihre Gestaltung „nachhaltig” wirken sollen, sowie etwa 40 Karten mit scheinbar ökologischen Siegeln ohne tatsächliche Aussagekraft. Diese Sammlung macht deutlich, wie stark Sprache, Schrift und Symbolik in der Nachhaltigkeitskommunikation manipulativ eingesetzt werden können.
Die Musterbox deckt somit zentrale visuelle, materielle und sprachliche Strategien des Greenwashings ab. Sie ist systematisch aufgebaut und bietet Designer*innen ein fundiertes, praxisnahes Werkzeug, um Greenwashing in der Gestaltung zu erkennen, kritisch zu hinterfragen und zukünftig bewusster zu agieren.
CHATBOT & WEBSEITE
Zusätzliche Aufklärungsmedien
Ergänzend zum Greenwashing-Leitfaden und zur Musterbox wurden zwei weitere mediale Formate entwickelt. Damit soll das Thema über unterschiedliche Kanäle erfahrbar gemacht und verschiedene Zielgruppen angesprochen werden.
1. KI-Chatbot
Im Rahmen der Arbeit wurde ein interaktiver KI-Chatbot programmiert, mit dem man mit drei unterschiedlichen fiktiven Personen über das Thema Greenwashing schreiben kann. Jede Figur vertritt eine andere Perspektive – gegen, für oder unsicher bezüglich Greenwashing – und bietet dadurch differenzierte Einblicke in das komplexe Spannungsfeld zwischen Kommunikation, Verantwortung und Täuschung.
Der Chatbot basiert auf GPT-4o und nutzt spezifisch definierte Systemprompts, um den jeweiligen Personas charakteristische Argumentationsmuster und Sprachstile zu verleihen. Ziel ist es, durch den Dialog ein tieferes Verständnis für unterschiedliche Positionen zu schaffen und zum Hinterfragen eigener Haltungen anzuregen.
2. Webseite
Um die Inhalte des Projekts auch über die physische Form hinaus zugänglich zu machen, wurde eine begleitende Website gestaltet. Unter www.how-to-greenwash.com (erreichbar bis Ende Dezember 2025) finden sich zentrale Informationen zum Projekt, ausgewählte Inhalte aus dem Leitfaden sowie Einblicke in die Musterbox. Die Seite dient als öffentlich zugängliches Informationsangebot und erweitert die Reichweite des Projekts über den akademischen Rahmen hinaus.
Falls Sie weitere Informationen zu diesem Projekt erhalten möchten, stehe ich Ihnen jederzeit für Nachfragen zur verfügung. Sie erreichen mich über die Unterseite „Über mich”.